Bericht der Multiplikatorin für die Evang. Kirche Mitteldeutschland

Eine Gemeinde am Nordrand des Thüringer Waldes: Seit acht Jahren findet immer im Frühjahr ein Kurs „Stufen des Lebens“ statt. Nicht nur aus Winterstein, sondern auch aus einigen umliegenden Orten hatten sich wieder Menschen auf den Weg gemacht, um vier Wochen lang am Dienstag Abend gemeinsam über den Glauben nachzudenken, zu reden, zu singen, zu beten, Stärkung und neue Impulse zu bekommen. „Alles hat seine Zeit“ – die Josephsgeschichte – ein Thema, in dem jede ihren Platz gefunden hat, sich selbst wiedergefunden hat. Wie nehmen wir wahr, was in unserer Lebenszeit geschieht, war eine Frage – viel stärker aber noch: wie gehen wir mit dem um, was in unserer Lebenszeit geschieht.

Ganz eindrücklich für alle war das Bild mit Kleidern der verschiedenen Lebensphasen des Josephs. Auf jedem waren Spuren hinterlassen, die im Leben immer mal wieder durchleuchten. Aber genauso eindrücklich war auch das Band der Liebe Gottes. Diese Liebe und Treue zieht sich durch alle Lebensphasen hindurch – nicht immer sichtbar für uns Menschen, aber wir dürfen uns immer wieder darauf berufen und darauf vertrauen.

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen“ – diesen Satz des Joseph haben die Kursteilnehmerinnen nicht nur in ihrem Kopf, sondern auch in ihrem Herzen mit nach Hause genommen.

„Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir“ – dieses Lied hat stärkend unsere Kursabende begleitet.

Noch mit den Eindrücken von diesem Kurs in der Gemeinde, habe ich mich kurz danach auf den Weg nach Löwenstein gemacht, um selbst – als Multiplikatorin – nicht nur einen neuen Kurs zu erleben, sondern ganz als Teilnehmerin Kraft für mein Glaubensleben geschenkt zu bekommen. Es sind immer mehrere Dinge, die mich zweimal im Jahr voller Freude in den Südwesten fahren lassen: ich muss gar nichts tun, ich darf dabei sein und auftanken. Ich treffe auf Menschen, die durch viele Jahre hindurch mich in meinem Leben begleiten und mittragen. Ich erlebe biblische Geschichten immer wieder neu und entdecke welche Schätze sie für mein Leben in sich bergen. Dieses Mal waren wir „Dem Leben auf der Spur“.

Auch kurz vor dem Ruhestand – oder gerade dort – war es spannend zu schauen: welche Schätze und Gaben sind denn in mir verborgen. Wieviel Samen hat Gott in mich hineingelegt, welchen habe ich vielleicht noch gar nicht aufgehen lassen. Oder welcher liegt schon lange in einer Ecke des Gartens und könnte mal wieder etwas Wasser und Dünger gebrauchen? Ja, wie gehe ich mit dem um, was Gott an Lebensfülle für mich bereit hält. Sehe ich das kleine Senfkorn nur als etwas Unscheinbares, das ganz leicht verloren gehen kann, wenn es nicht in die Erde gelegt wird oder kann ich darauf vertrauen, dass daraus etwas Wunderbares wachsen kann? Längst kann ich hier nicht über alles berichten, was dieses Wochenende in Löwenstein angestoßen hat, verändert hat, Leben sichtbar gemacht hat.

Aber eins weiß ich, mein Leben wäre in den letzten reichlich 20 Jahren um Vieles ärmer gewesen, wäre ich 1995 nicht Waltraud Mäschle und somit „Stufen des Lebens“ begegnet. In der Doppelrolle als Multiplikatorin und Kursleiterin werde ich dreifach beschenkt: In Löwenstein, wo ich Teilnehmende bin. Bei den Kursleiterschulungen, wo wir oft sehr tief in die biblischen Texte einsteigen und die Zeit manchmal fast nicht reicht. In den Gemeinden, wo wir gemeinsam viel Neues entdecken und ich erleben darf, dass Menschen mir sagen: Das hat mir geholfen, das hat mir gut getan oder auch: dem muss ich noch mal nachgehen.

Barbara Rösch, Multiplikatorin für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland