Stufen des Lebens im Wohnzimmer in Österreich

Mein Mann und ich haben seit Jahren einen Freundeskreis, der sich über die Kinder entwickelt hat. Mittlerweile sind die Kinder groß, und wir Eltern sitzen immer noch gern zusammen, fahren gemeinsam ins Kino, in Konzerte, gehen wandern oder schifahren. Wir haben schon einiges miteinander erlebt und so immer Gesprächsstoff. Alle kommen vom selben Ort und sind katholisch, außer mir. Manche engagieren sich in ihrer Pfarrgemeinde

und so waren auch kirchlich organisatorische Themen immer wieder Teil unserer Unterhaltungen.

Um mein Engagement in der evangelischen Kirche wissen natürlich alle Bescheid, aber so richtig zum Kern der Sache, sind wir, was mir ein kleiner Dorn im Auge war, nie so recht gekommen. Wie an die Sache herangehen? Man will ja nicht gleich mit der Kirche ins Haus fallen. Nachdem ich ein paar von uns zum Besuch des Reformationskabaretts überreden konnte, ergab es sich bei der Heimfahrt, dass ich die Frage in den Raum

stellen konnte, was sie denn davon halten würden, wenn wir mal einen Glaubenskurs miteinander machen würden. Sie waren zu meinem Erstaunen nicht abgeneigt, und so fasste ich, nach Absprache mit meinem Mann ein paar Tage später Mut und setzte in unsere Whatsapp- Gruppe beim Frühstück einen Text mit dem Angebot, sich an vier Abenden bei uns mit Glaubensthemen auseinanderzusetzen. Alle sagten zu!

 

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, welchen Glaubenskurs ich anbieten würde. Das Wochenende darauf lernte ich „Stufen des Lebens“ zum ersten Mal in einem Kursleiterkurs kennen und dachte: „Genau das ist es!“ Zwei Wochen später ging es los. Mein erster Kurs: „Quellen, aus denen Leben fließt.“ Bei uns zu Hause in gemütlicher Atmosphäre im Wohnzimmer auf der Couch, zu acht (vier Ehepaare): oder – “ Meine Versuchskaninchen“ Ich war erstaunt über die rege Teilnahme aller und die Rückmeldung zum Schluss der vier Abende, dass sie sich sehr wohl gefühlt haben und nie das Gefühl hatten, dumm dazustehen, obwohl sie sich in der Bibel „net so auskennen“. Die Bodenbilder empfanden auch die Männer als sehr hilfreich und einprägsam, wenn gleich die geschlechterspezifischen Äußerungen oft sehr belustigend waren. Aber genau das war das Spannende. Der Humor durfte auch nicht zu kurz kommen. Ich zog aus dem Brunnen, anstatt des Wasserkruges, ein Schnapsstamperl, das Markenzeichen unserer Runde.

Und genau darum geht’s: Jeden dort abzuholen wo er steht, von wo er kommt und ihn zu lassen, wie er ist. Mit Humor – nicht todernst Gottes Botschaft in die Welt zu tragen. Mit dem Fokus, dass da einer ist, der meinen ganzen Schwachsinn versteht, bei dem ich alles abladen kann. Und nach dem Wohnzimmerpart ein Flascherl Bier – dem Reformator zuliebe!

Eine Äußerung hat mich sehr gefreut, und zum Nachdenken gebracht: „Die vier Abende haben sicher mehr gebracht als die letzen Jahre Kirchenbesuch!“ Sie würden sowas gern wieder machen, war auch eine klare Ansage! Ich habe lange überlegt, ob ich das Bodenbild im Wohnzimmer, für die Teilnehmer von der Couch aus zu betrachten, aufbauen, oder ob wir einen Sesselkreis bilden sollen. Ich habe mich dann, aus Wohlfühlgründen, für das erstere entschieden.

Das Erheben von der Couch, um etwas aktiv auf das Bodenbild zu legen, ist erschwert, aber nicht unmöglich.

Was mir auch an diesem Setting sehr gefallen hat, war die Tatsache, dass ich nirgends hinfahren musste, um mich vorzubereiten. Ich konnte mir den Raum jederzeit richten und vorher mit Lobpreis und Gebet erfüllen. Ich selbst habe mich in meinen eigenen vier Wänden wohl gefühlt. Und mein Mann half mir, für das Drumherum zu sorgen.

Ein solches Setting anzubieten, kann ich nur empfehlen!

Doris Humer, Presbyterin Ev. Pfarrgemeinde A.B. Schwanenstadt
(Beitrag aus dem WeG Freundesbrief Nr. 17 Mai 2017 )www.eundg.at